Moin, Ihr Lieben!
Über die Zeit des Forenbetriebes gab es ja schon des Öfteren Leute hier, die winzige, ziemlich transparente Schnecken mit Napfförmigen Gehäuse in ihrem Aquarium gefunden haben.
In den allermeisten Fällen dürfte es sich dabei um eine Mützenschnecke (
Ferrissia) handeln (-->
zur Unterscheidung von der heimischen Teichnapfschnecke).
Eine Art der Mützenschnecke ist seit mindestens 60 Jahren in Europa bekannt. Seitdem wurden verschiedene Thesen aufgestellt, zu welcher Art sie nun gehört und woher sie wie gekommen ist; z.B.:
- die Art (F. wautieri) ist in Europa heimisch, wurde jedoch bisher wg. ihrer Kleinheit & Ähnlichkeit zur Teichnapfschnecke übersehen (Mirolli 1960, Kinzelbach 1984, Baur & Ringeis 2002)
- es ist eine aus Zentral-Asien stammende Art (Falkner & Proschwitz 1995)
- es handelt sich um eine aus Australien eingeschleppte Art (Starobogatov and Prozorova 1990)
- es handelt sich um die in Nord- und Ostafrika beheimatete Art F. clessiana, die über Süd- und/oder Osteuropa eingewandert ist.
- es ist eine eingeschleppte Art aus Nordamerika (Böttger 1949)
Nun, nachdem eine amerikanische Arbeitsgruppe etwas Klarheit über die eigenen 3 Arten schaffen konnte, wurden auch einige Stichproben aus Europa und Ostasien genetisch untersucht. Demnach erscheint es als gut möglich, daß die europäischen Tiere die aus den USA verschleppte Art
Ferrissia fragilis ist. Leider wurden aus Europa nur 3 Stichproben (aus Polen, Dänemark und Deutschland) untersucht und dann auch nur ein einziges Gen.
Weil die bisherige Stichprobe etwas mager ist und gerade in Südeuropa noch andere Arten vermutet werden, wird z.Zt. von den führenden europäischen Taxonomen empfohlen den alteingeführten Namen
F. wautieri ersteinmal als Provisorium weiterzuführen. Und zwar, obwohl es wahrscheinlich ist, daß der Name sich als falsch erweisen wird.
Um die Datengrundlage zu verdichten werden aktuell von der Uni Gießen weitere Proben sehr erwünscht. Weil es auch einige Hinweise darauf gibt, daß die in Europa im Freiland vorkommenden Tiere über botanische Gärten oder unachtsame Aquarianer verteilt wurden, hat er auch Interesse an Aquarientieren.
Sollten die sich genetisch als identisch zu den Nordamerikanern und zu den Tieren im Freiland erweisen, wäre das zwar kein Beweis, würde aber die Aquarianer-Verschleppungs-Theorie erheblich bestärken.
ALSO, Ihr lieben Mützenschneckenhalter, wenn ihr es übers Herz bringt so 2-5 Eurer winzigen Freunde zu alkoholisieren, dann meldet Euch bitte per PN mit vollständigen Namen und Adresse bei mir!
Ich schick Euch dann einen Brief mit einem kleinen Tansportbehältnis, einfacher Betriebsanleitung und Rückumschlag zu.
Die Herren der Uni Gießen würden sich doll freuen, wenn sie aus dem gesamten Bundesgebiet (& sonst aus Europa sowieso!) verteilt etwas Material bekommen könnten. Und Ihr würdet natürlich aus erster Hand erfahren, wie Eure Tierchen nun tatsächlich heißen.
MfG,
schneckli