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Sonntag, 6. Juli 2008, 20:32

Physa fontinalis - Theodoxus fluviatilis

Hallo,

hm...gestern war ich in einem schönen klaren See in Brandenburg baden. Beim Erkunden der Flora & Fauna hab ich dann u.a. Theodoxus fluviatilis und Physa fontinalis einsammeln können.

Theodoxus soll aber ziemlich selten sein, wie ich im Netz erfahren habe. Ist ein Haltung strafbar? Welche Genehmigungen benötigt man? Wer stellt diese aus? Untere Naturschutzbehörde? Amtsveterinär?

Bzgl. der Haltung von Physa fontinalis gehe ich von keinen Unterschieden zu den "normalen" Aquarien-Physella aus. Oder benötigen die doch andere Haltungsbedingungen?



gruß vom Schneckenfänger :)



tobi
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Sonntag, 6. Juli 2008, 21:31

Moin, Tobi!

Die Entnahme von Tieren aus der Natur ist u.A. im Naturschutzgesetz Deines Bundeslandes geregelt. Im brandenburgischen Naturschutzgesetz heißt es in §39:

Zitat

Es ist verboten,
1. wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten,
2. die Eier sowie Nester, Baue oder andere Lebensstätten wild lebender Tiere ohne ver­nünftigen Grund zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,
3. ohne vernünftigen Grund wild lebende Pflanzen von ihrem Standort zu entnehmen o­der zu nutzen oder ihre Bestände niederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten.

Sofern Du also keinen vernünftigen Grund nachweisen kannst (z.B. `n Forschungsprojekt) wird Dir keine Naturschutzbehörde eine Genehmigung erteilen. Egal mit welcher Tierart Du liebäugelst und seis ´n Wasserfloh.

Die Haltung rechtmäßig erworbener Theodoxus oder Physa ist dagegen nicht untersagt, da sie nicht i.S. der Bundesartenschutzverordnung oder der Europäischen FFH-Richtlinie als "Besonders geschützt" eingestuft sind.

MfG,
schneckli

P.S.: Die Kahnschnecke Theodoxus fluviatilis kommt noch in so einigen Gewässern in Deutschland (insb. Holstein, Mecklenburg, Brandenburg, Berlin) vor und kann lokal sogar in recht hoher Dichte auftreten. Insgesamt hat es aber die Art in freier Wildbahn leider nicht leicht. Die dauerhafte Haltung im Aquarium würde ich als eher schwierig bezeichnen.
Die Quellblasenschnecke ( Physa fontinalis ) hat im Gegensatz zu den in Aquarien vertretenen Blasenschnecken (Physa acuta / Physella heterostropha) erheblich höhere Ansprüche an die Wasserqualität. Sie verträgt auch nicht so hohe Wassertemperaturen, wie sie im Aquarium im Sommer leicht auftreten können.

3

Montag, 7. Juli 2008, 13:28

Hallo,

danke für die Infos! Ich werde die Schnecken demnächst wieder zurück. Wieder was gelernt. Leider (zum Glück) kleben 4 Eikapseln der Theodoxus an der Seitenscheibe...die fallen dann ja nicht unter die Naturentnahme...oder?

Bzgl. der P.fontinalis muss ich sagen, das am Entnahmeort, im sonnigen Flachwasser zwischen den Schwimmpflanzen deutlich über 20°C herrschten, oberflächennah sicher noch mehr. Was aber heisst "erheblich größere Ansprüche an die Wasserqualität"?

Ich interpretiere, dass die anderen Schnecken wesentlich "belasteteres" Wasser überleben...dennoch müsste P.fontinalis mit Wasser klarkommen, in denen auch Fische/Garnelen leben können? Oder bin ich da auf dem Holzweg.

gruß tobi
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4

Montag, 7. Juli 2008, 23:20

...na sauber! Jetzt haben die P.fontinalis auch noch nen Eipaket gelegt.

Nächstes Wochenende bring ich die Alttiere zurück in den See, vorher komm ich da jedoch nicht hin. Komme mir gerade wie der Zauberlehrling vor...„Die ich rief, die Geister, / Werd’ ich nun nicht los.“

tobi
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5

Dienstag, 8. Juli 2008, 05:04

Moin, Tobi!

Iss klar, daß Du die Gelege Deiner aus der Natur geliehenen Tiere nicht direkt unter o.g. §§ fallen. Spitzfindige Juristen könnten natürlich in Frage stellen, ob Du die Gelege "rechtmäßig erworben" hast. Vor dem Hintergrund, daß Du beim Sammeln der Elterntiere nicht erwischt worden bist ist das ja nun ziemlich unwahrscheinlich. Als normal denkender Mensch sollte man m.E. auch immer im Hinterkopf behalten, daß keine Schneckenart in D. von Sammlern bedroht ist, sondern vielmehr durch Lebensraumzerstörung, Eutrophierung usw.

Für uns Freunde heimischer Schnecken ist der "Ehrenkodex für malakologische Feldarbeit der Deutschen Malakologischen Gesellschaft" sicher ein guter Leitfaden mit Augenmaß.

Nun, wo Du nun schon Gelege der Tierchen im AQ hast, wäre es toll, wenn Du die weitere Entwicklung hier im Forum beschreiben könntest. Auch Fotos (Gelege, Jungtiere, Elterntiere) sind natürlich immer ganz prima. Und, wenn Du noch Wasserwerte des Fundortes messen könntest (gern auch mit Fotos), könnte das noch alles unsere Artendatenbank bereichern. Für Theodoxus fluviatilis sind ja schon etliche Infos zusammengetragen - Physa fontinalis hat leider noch keine eigene Seite.

MfG,
schneckli

P.S.: Ich persönlich hatte Physa fontinalis eher in quell- oder grundwassergespeisten, klaren und sauerstoffreichen Gewässern gefunden. Wohingegen Physa acuta / Physella heterostropha auch gut mit eutrophen Gewässern klarkommen. Muß aber ja nich überall so sein.
EDITH: Ich hatte mich da, was meine eigenen Fundorte angeht, irgendwie völlig vertan: Tatsächlich fand ich Physa fontinalis bisher an verschiedenen Fundorten in Niedersachsen und auch Schleswig-Holstein nur in eutrophen Gewässern. Oligotrophe Gewässer sind hier allerdings auch quasi nicht vorhanden. Überhaupt scheint die Wasserqualität für die Art nicht so entscheidend zu sein wie vllt. andere, noch nicht untersuchte Faktoren vgl.: S. 16 in ZETTLER 2000).

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »schneckli« (21. Juli 2008, 20:38)


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Dienstag, 8. Juli 2008, 11:26

Hallo,

...hm...ist nen tiefer klarer oligotropher eiszeitlicher Rinnensee, mit vermutlich weichem Wasser. Er liegt im Wald (Buche Erle) und hat am Ufer einzelne faust - bis kopfgroße Steine, viel Totholz und Falllaub. Sichttiefe sind ca. 1,20 bis 1,50m. Wasserpflanzen sind submers Hornkraut, vereinzelt Pfennigkraut. Häufig sind grüne Süßwasserschwämme auf Totholz im Wasser. Reichlich Wandermuscheln (häufigste makroskopisch erkennbare Art - neben einer Wasserflohart verml. Moina spec.). Einige Ohrenschlammschnecken(auricularia), einige Spitzschlammschnecken (stagnalis), europ. Posthorn und Tellerschnecken gabs auch noch vereinzelt. Die wenigen Schilfinseln am Ufer waren Lebensraum der Physa - die Theodoxus lebten auf den Steinbrocken und auf Totholz. Fischtechnisch fehlen die Brassen (Abramis brama) im See. Es dominieren Flussbarsch (Perca fluviatilis), und Rotaugen(Rutilus rutilus).

Ich mach mal nen paar Makros...am See selbst hab ich hauptsächlich Fische und Libellen geknippst...

kann ich bei Gelegenheit einstellen

tobi
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7

Donnerstag, 10. Juli 2008, 15:40

Uferregion Theodoxus Biotop:



Physa fontinalis



Physa fontinalis und Theodoxus fluviatilis



Blasenschnecken aus meinem Aquarienstamm (Physa oder Physella) zum Vergleich. Sie sind größer, breiter rundlicher als die oben gezeigten Physa fontinalis . Die Fühler sind eigentlich fadenförmig, durch Zupfattacken der Fische sehen sie jetzt keulenförmig aus. Man beachte die kleine Spitze, des Gehäuses:







Bilder und Infos können gerne in die Datenbank übernommen werden, wenn ich als Fotograph genannt werde.

gruß tobi
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8

Montag, 21. Juli 2008, 20:48

Moin, Tobi!

Feine Bilder + Klingt sehr interessant, Deine Habtatbeschreibung. Soetwas nährstoffarmes gibts hier in meiner Gegend leider quasi nicht. Von der letzten (Weichsel-) Eiszeit gibts hier noch jede Menge Kalk im Geschiebemergel mit entsprechend fetten Böden und eutrophen Gewässern.

Was macht das Gelege der Physa? Nach Literaturangaben dürften sich die Lütten so nach 2 bis 4 Wochen (je nach Wassertemperatur) aus den Gelegen knabbern. Bei den Theodoxus ist da mehr Geduld gefragt.

MfG,
schneckli

9

Dienstag, 22. Juli 2008, 08:11

Hi,

ich musste im Rahmen meines Umzuges zwei Guppys (Zuchtpaar) umquartieren... zudem tauchten in dem "Quarantänebecken", in das ich die Schnecken glücklicher Weise eingesetzt hatte, Planarien auf! Das zeigt wieder einmal,was man sich durch "Wildfänge" so alles einschleppen kann. - bbbrrr - bäh -

Fazit:
Guppys wieder entfernt, Gelege verschwunden, Alttiere und Planarien noch da. Bisher noch nix neues...Wassertemperatur beträgt aktuell 21 °C (Zimmertemperatur).

Planung:
Nach dem Umzug Planarien entfernen und warten.

gruß tobi
[url]www.guppyfocus.blogspot.com[/url]